Wie ich mir mein Elektroauto ausgesucht habe

Kai Platschke @ teamdecoder
7 min readFeb 1, 2020

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Elektromobilität ist Thema der Stunde, und so habe ich mir, wie bestimmt viele andere sich auch, die Frage gestellt, ob mein nächstes Auto ein Elektroauto werden soll oder nicht. Heute möchte ich etwas über meinen Entscheidungsprozess berichten und warum ich mich am Ende für den Hyundai Kona Electric entschieden habe.

Viel Spaß.

Hyundai Kona Electric

Frage #1

Das wichtigste Kriterium für mich war das Laden, und zwar die Infrastruktur. Wenn ich mir ein Elektroauto kaufe, dann möchte ich auch wissen, wie und wo ich es aufladen kann. Ohne eine Antwort auf diese Frage zu haben, wollte ich mich nicht weiter mit dem Thema auseinandersetzen. Bevor ich also anfange, über andere Kriterien nachzudenken, brauchte ich eine Antwort für dieses wichtigste aller Kriterien.

Ich wohne in Berlin — und auch wenn man denkt, Berlin ist immer so vorne dran mit allem, ist das beim Thema Ladestationen nicht unbedingt so. Ich habe beim Herumspazieren immer die Augen offen gehalten und bei verschiedenen Online Diensten nach Ladestationen in meiner Nähe gesucht, und fand immer nur die eine, ca. 700m entfernt von meiner Wohnung, vorm Alnatura. Und weil wir von Berlin Mitte sprechen, gibt es hier natürlich schon ein paar Teslas und eine ganze Menge elektrischer Car Sharing Autos, die dort regelmäßig standen. Wenn ich also an die Situation denke, dass ich ein Elektroauto habe, und aufladen muss und dann diese Säule besetzt ist … stellt mich das nicht zufrieden. Und ein Kabel aus dem 3. Stock der Altbauwohnung bis nach unten hängen zu lassen, ist auch keine gute Lösung. So lange ich also in dieser Wohnung lebte, konnte ich mir nicht vorstellen, auf ein Elektroauto zu wechseln — wenn ich da noch wohnen würde, hätte ich mich wahrscheinlich für einen PlugIn Hybrid entschieden, den man aufladen kann, wenn man einen Platz findet, der dann auch 20–50km rein elektrisch fahren kann, aber den man auch mit Benzin fahren kann, wenn es gerade nicht anders geht.

Jetzt leben wir aber seit einem Jahr in einem Haus auf dem Land, und hier habe ich die Möglichkeit, vor der eigenen Hautüre eine eigene Wallbox zum Laden anzubringen. Und das hat die ganze Situation komplett geändert - jetzt gibt es quasi keine Ausrede mehr gegen ein Elektroauto, jetzt kann ich den PlugIn auslassen und gleich “all in “ gehen.

So. jetzt brauchte ich nur noch das Auto zur Wallbox. Ich dachte, das wäre das kleinere Problem, war aber natürlich nicht so ;)

Kriterien

Bevor ich auf einzelne Auto-Modelle zu sprechen komme, will ich kurz erklären, welche Kriterien für mich bei der Auswahl wichtig waren. Wer sich nicht so stark damit auseinandersetzt, könnte ja durch die Medien und Werbung den Eindruck gewinnen, alle Marken produzieren schon massenhaft Elektroautos und man müsste nur zum Händler gehen und sich einen aussuchen — ganz so einfach ist das aber leider noch nicht — und das ist auch meiner Meinung nach (neben der Ladeinfrastruktur) einer der Hauptgründe, warum es noch nicht mehr Elektroautos auf den deutschen Straßen gibt. Ich wurde teilweise von Händlern ausgelacht, als ich vor ungefähr einem Jahr schon gesagt habe, ich würde gerne eine Elektroauto bestellen.

Aber jetzt erstmal zu den Kriterien. Und die sind:

  1. Reichweite
  2. Preis
  3. Verfügbarkeit
  4. Händler

Reichweite

Ich wohne auf dem Land und würde gerne mit dem Auto in die Stadt und zurück kommen, sowie in der Lage sein, innerhalb der Stadt 2 oder 3 Tage rumzufahren, ohne aufladen zu müssen. So kann ich sicherstellen, dass mir meine Wallbox am Haus ausreicht und ich nicht in Berlin eine freie Ladestation suchen muss. Ich weiss ja aber auch, dass das in Berlin besser werden wird, und ich dann irgendwann auch die Möglichkeit habe, und natürlich auch jetzt schon in Notfällen, irgendwo eine freie Station zu finden.

Bei den eAutos gibt es solche mit kleineren Batterien, die für die Stadt ausgelegt sind, also nicht so sehr für die Landpartien, die ich regelmäßig mache, die schaffen so zwischen 150 und 250km mit einer Stromladung und das war mir eindeutig zu wenig (z.B. BMW i3, Renault Zoe, Smart, Mini). Es gibt Autos mit mehr als 300, mache sogar 400 oder 500 km Reichweite — das sind eher die Modelle, die in meine engere Auswahl gekommen sind (z.B. Tesla Model 3, Polestar II, VW ID3, Kia eNiro, Hyundai Kona Electric, Volvo XC 40, Peugeot e2008).

Ich denke auch, dass diese ewige Diskussion um Reichweite übertrieben ist, denn wenn man zuhause oder im Büro die Möglichkeit zum Laden hat und mit dem Auto nur in der Stadt fährt, reichen 150 km Reichweite dicke. Da kann man echt Gewicht und Geld sparen und auf eine kleine Batterie setzen. Das muss sich jeder mal ehrlich ausrechnen — in meinem Fall ging das aber nicht.

Also. Ich will mindestens 350 km Reichweite.

Preis

Natürlich dachte ich auch erst an Tesla — das Model 3 ist jetzt ja verfügbar (die haben tatsächlich mittlerweile eine Reihe Autos auf dem Hof stehen, die man sich sofort abholen kann, ohne Wartezeit!) und soll doch die erschwinglichere Version der Marke sein. Pustekuchen. Hier meine Kalkulation:

Online Kalkulation Tesla Model 3

Auto läuft bei mir über die Firma und ich bezahle also ein monatliches Firmenleasing. Meine drei letzten Autos (VW Golf, Kia Carens, Ford Kuga) lagen da alle zwischen 300 und 400 EUR, was ich einen ok Betrag finde. Ich bin bereit, für ein Elektroauto im Jahr 2020 noch etwas mehr zu bezahlen, aber den Sprung auf 1200 EUR kann und will ich mir nicht leisten (s. Bild).

Zugegeben, ich hab mir beim Tesla alles angeklickt, was man sich so anklicken kann (sind ja nur 3 Möglichkeiten), aber für mehr Reichweite und Zukunftsicherheit für neue Features kommt man da eigentlich nicht drum herum.

Also. Ich will maximal 500 EUR/Monat Leasingrate bezahlen. Und damit war der Tesla raus.

Verfügbarkeit

Wenn man meinem Instagram Feed glauben schenkt (Instagram weiss natürlich mittlerweile, dass ich mich für Elektroautos interessiere), haben alle in Deutschland verfügbaren Marken Elekroautos am Start. Nur, wenn man dann auf “mehr Infos” klickt und dann, weil man auf der Website immernoch keine Infos zu Verfügbarkeit findet, eine Email schreiben muss und dann an einen Händler verwiesen wird, der einem schliesslich sagen muss “naja, also der Wagen ist ja erst Ende 2020 verfügbar” — dann denke ich mir: Eigentlich ist das unlauterer Wettbewerb! Alle haben versäumt, rechtzeitig eAutos zu bauen und jetzt tun sie einfach alle so, als hätten sie schon welche, obwohl das gar nicht stimmt. Wahnsinn, und echt ärgerlich. Ich habe da den ein oder anderen böse Kommentar hinterlassen :)

Da ist zum Beispiel der VW ID3 — man könnte denken, den gibt es schon seit Ewigkeiten zu bestellen, ist aber gar nicht so, ist brand neu. Oder der Peugeot e208 und e2008, die man jetzt endlich mal ansehen darf, oder der Opel eCorsa oder der Seat el Born, der irgendwann Ende des Jahres eventuell vielleicht rauskommt und der Händler noch gar keine Infos dazu hat, oder der (zugegebenermaßen ziemlich geile) Polestar von Volvo, für den man schon 1000 EUR anzahlen kann aber keiner einem sagen kann, wann man dann das Auto auch bekommt. Genauso der Volvo XC 40, der als e Version irgendwann 2020 oder 2021 auf den Markt kommen soll.

Beim Kia eNiro lachte der Händler schon vor einem halben Jahr ganz laut: “hahahahaha, wenn sie den wollen, müssen Sie mindestens 1 Jahr warten — wenn er überhaupt bestellbar ist!!!” und bei VW sagte der Händler noch vor einem Jahr “Kaufen Sie sich lieber einen guten Diesel, der ist besser als sein Ruf!”. Na danke.

Also: ich wollte ein Auto, das man auch wirklich bestellen kann, und wo ich mich drauf verlassen kann, das ich es spätestens im Dezember 2020 habe, wenn das Leasing für meinen Ford Kuga ausläuft. Der Hyundai Kona Electric hat zwar auch bis zu einem Jahr Lieferzeiten (jetzt wohl 8–10), aber er ist schon seit mehreren Jahren erfolgreich auf der Straße — da hat Hyundai echt die Nase vorn!

Händler

Das ist das letzte und auch nicht so logische Kriterium: Wenn ich bei meiner Recherche von einem Händler so blöd angemacht oder ausgelacht wurde oder der mich überzeugen wollte, doch einen Diesel zu kaufen, dann wollte ich bei dem auch nicht mein erstes Elektroauto bestellen. Wahrscheinlich hätte ich an dem Tag, an dem ich den Kona bestellt habe, auch schon einen ID3 bestellen können und mit etwas Glück Ende 2020 gehabt, aber nach meiner eigenen und der allgemeinen sehr unschönen VW Vorgeschichte hat sich da in mir etwas ganz stark gegen gesträubt. Außerdem mag ich die etwas höhere Sitzposition im Kona lieber (kleiner SUV).

VW ID 3

Also: VW war raus, Tesla hatte sich nie bei mir zurückgemeldet (aber die waren wegen Preis ja eh raus), Kia (der eNiro ist ja das Schwestermodell vom Kona — weil Hyundai und Kia zusammen gehören) hat sich nie wieder bei mir gemeldet, der Seat Verkäufer hat bis heute keine neuen Infos und mein armer Ford Händler kann mir bis heute kein Elektroauto anbieten, weil es bei Ford noch keins gibt. Lediglich der Hyundai Händler sagte “Kein Problem” und da hab ich eben den bestellt. Also nicht nur, weil es quasi der einzige war, den ich bestellen konnte, sondern weil mich Fakten und Probefahrt komplett überzeugt haben :)

Fazit

Es konnte also quasi nur der Kona sein — es ist ein tolles Auto, ich freue mich sehr drauf. Bei Bestellung hiess es bis zu 12 Monate Lieferzeit, jetzt steht in der Bestätigung 8–10 Monate. Eventuell habe ich es also schon im August/September 2020. Zur Zeit bin ich dabei, dem Händler und unserem Elektriker zu helfen, Erfahrungen mit den Wallboxen zu sammeln, auch das ist noch Neuland für die meisten ;)

Ich habe vor, auf jeden Fall von meinen Erfahrungen mit dem Kona zu berichten. Am besten abonnierst Du dafür meinen YouTube Kanal, dann verpasst Du kein Update!

Vielen Dank und liebe Grüße,

derkai.

www.kaiplatschke.com

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Kai Platschke @ teamdecoder

Independent business consultant for brand strategy, sustainability and org design. Founder of www.teamdecoder.com